Erneute Verschlechterung der pädagogischen Qualität in hessischen Kitas
Für die schwarz-grüne Landesregierung ist die Bildungsqualität in ihren Kitas nicht mehr entscheidend. Das ist aus der Gesetzesänderung des hessischen Kinder- und Jugendgesetzbuches herauszulesen, die am Donnerstag, den 15.06.2023 in die Anhörung im hessischen Landtag geht. Der Hessische Bildungs-und Erziehungsplan, das Leitbild für die Pädagogik in institutionellen Einrichtungen für Kinder von 0-10 gehört damit in die Mottenkiste. Die Lösung des Fachkräftemangels sieht man im Landtag und Ministerium erneut darin, die Zugangsvoraussetzungen für das Personal zu senken, nach dem Motto: „Mit Kindern spielen, das kann doch jeder!“
Die Fachwelt ist da anderer Meinung. Je jünger Kinder sind, desto höher sollte der Ausbildungsgrad der dafür zuständigen Berufsgruppe sein, die sich tagtäglich um ein gesundes Aufwachsen außerhalb der Familien kümmert. Dass selbst ausgebildete Erzieher und Erzieherinnen an ihre Grenzen kommen, zeigen die Schlagzeilen und die Notwendigkeit von Kinderschutzkonzepten für Kitas.
Wenn nun ein Viertel der Belegschaft in Kitas nicht mehr einschlägig ausgebildet ist, steigt damit das Risiko für Kinder, in einer nicht kindgerechten Umgebung aufwachsen zu müssen. Erziehungsmethoden könnten sich wieder in den Kitas etablieren, die schon längst fortschrittlichen Konzepten von Mitbestimmung, Selbstentfaltung und dem Erlernen demokratischer Grundregeln gewichen sind.
Die nicht unumstrittene Öffnung des Fachkraftkatalogs wird deswegen mit positiv klingenden Begriffen beschönigt. So loben Träger die Chance der Multiprofessionalität und benennen Berufsgruppen, wie Logopäden und Ergotherapeuten sowie Motopädagogen und Physiotherapeuten. Eine schöne Vorstellung für Eltern, noch mal andere Fachprofessionen in der Kita zu wissen, die direkt therapeutisch ansetzen könnten. Es ist fraglich, wo all die Therapeuten und Logopäden sind, die unbedingt in den Kitas arbeiten wollen. Nein, hier soll vorzugsweise eine Öffnung nach unten erfolgen, die es bspw. einer Fachkraft für Lagerlogistik mit ein paar Fortbildungsnachweisen und mehr oder weniger Erfahrungen in der Kinderbetreuung erlaubt, mit der gesamten Verantwortung in die Arbeit mit vielen jungen Kindern einzusteigen. Denn diese fachfremden Mitarbeitenden sind nicht zusätzlich, sondern anstatt des Fachpersonals eingesetzt.
Frau König, zweite Vorsitzende des Kita-Fachkräfte-Verbandes Hessen e.V.:
„Wir freuen uns über jeden, der gerne in den Kindertagesstätten arbeiten möchte, auch über Quereinsteigende. Es ist zwingend, dass dazu die Ausbildung absolviert wird, um den vielen unterschiedlichen Kindern und den vielen Anforderungen gerecht zu werden. Und mal ehrlich, sie würden auch nicht jede X-beliebige Person an ihre elektrische Stromverteilung lassen, die ein Praktikum und ein paar Fortbildungen dazu gemacht hat.“
Der Verband stellt stattdessen weiterhin die Forderung, alle in Hessen angebotenen Ausbildungsplätze für Quereinsteigende so zu finanzieren, dass interessierte Menschen aus anderen Berufsgruppen, keine finanziellen Hürden mehr überwinden müssen und sich für eine berufsbegleitende Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft entscheiden können. In den Kita-Teams gibt es eine große Offenheit für diese zukünftigen Kolleginnen und Kollegen und viel Unterstützung.
