Bündnis Frühe Bildung Hessen gründet sich

Von links: Herr Huth (DGB Hessen-Thüringen), Frau König (KFV-Hessen), Herr Trautmann (GEW), Frau Beißer (Verdi), Herr Rock (FDP), Frau Gnadl (SPD), Nicht persönlich anwesend sein konnte Frau Heimer von der Fraktion DIE LINKE

Organisationen aus der Kita-Praxis setzen sich gemeinsam für Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung ein

Am Montag dem 17.7. gründet sich ein Bündnis für frühkindliche Bildung in Hessen aus Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB), Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Kita-Fachkräfte-Verband Hessen (KFV) und Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). 

Anlass der Gründung ist die letzte Lesung zur Änderung des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzes am Dienstag, 18.7., bei der aus Sicht der Bündnispartner:innen noch weiter aufgeweicht werde, wer als Fachkraft in Kindertageseinrichtungen arbeiten darf. 

Mit Sorge betrachten wir die Entwicklungen in Hessen in Bezug auf Kindeswohl und Kinderrechte in Kindertagesstätten. Schon jetzt fällt es aufgrund der Rahmenbedingungen den pädagogisch ausgebildeten Fachkräften schwer, adäquat auf die Bedürfnisse von Kindern einzugehen. Wie soll dies dann noch möglich sein, wenn 25 Prozent nicht ausgebildete Mitarbeitende vor diese Herausforderungen gestellt werden?“ fragt Verena König vom Kita-Fachkräfte-Verband Hessen e.V.

Es führt aus unserer Sicht zu einer Entprofessionalisierung pädagogischer Arbeit und wertet die Qualifizierung der Fachkräfte ab. Außerdem verliert dadurch die Institution Kita zunehmend den Status als Bildungseinrichtung“ sagt Jana Beißert, Gewerkschaftssekretärin bei ver.di. 

Wir befürchten, dass durch die jetzige Gesetzesänderung eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt wird, in der es nicht nur schwer wird neue Fachkräfte zu gewinnen, sondern auch aktuell Beschäftigte aus dem System drohen verloren zu gehen,“ führt Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen, aus. 

Frühkindliche Bildung ist ein wichtiger Baustein, um allen Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Bildung ist die wesentliche Voraussetzung für Teilhabe und Chancengleichheit. Nur so kann Integration und Inklusion bereits im Kindesalter gelingen. Hierfür müssen in Hessen deutlich mehr Kitas, Kita-Plätze und ausreichend Personal bereitgestellt werden,“ schließt Renate Sternatz, stellvertretende Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, ab. 

Das Bündnis hat eine Stellungsnahme verfasst, der sich nun auch weitere Organisationen anschließen können.

Am 20. Juli wurde das Gesetz verabschiedet, dazu unsere Pressemitteilung (dazu auch unsere Pressemitteilungen von April und Juni 2023).

>> Reden der Politiker

Zum Hintergrund:

Die hessischen Regierungsfraktionen von CDU und Bündnis 90/DIE GRÜNEN planen eine Änderung des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuches. Vorgesehen ist die Möglichkeit, den Mindestfachkraftbedarf in einer Kindertagesstätte statt wie bisher zu 15 Prozent, in Zukunft bis zu 25 Prozent mit fachfremdem Personal abdecken zu können. Sind bisher fachfremde Abschlüsse, die dem Ausbildungsniveau des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) 6 entsprechen, die Voraussetzung, soll zukünftig ein dem Ausbildungsniveau (DQR) 4 entsprechender Abschluss ausreichen. Außerdem können sogar Personen ohne Ausbildung nur mit Lebens- und Betreuungserfahrung in den Einrichtungen als Fachkraft mitarbeiten.